Other interesting pages - andere interessante Seiten sa - sb
Schallplatte
Eine Schallplatte ist eine runde, meist schwarze Scheibe, auf der Töne
analog aufgezeichnet sind. Die Schallsignale sind in einer spiralförmigen,
zum Mittelpunkt der Platte verlaufenden Rille gespeichert, die entsprechend
der Amplitude des Schallsignals ausgelenkt ist.
Üblicherweise wird sowohl auf der Vorder- als auch auf der Rückseite
der Schallplatte aufgezeichnet. Am häufigsten sind die Formate
Langspielplatte (auch LP genannt, engl. Long Play) und Single, auf der
in der Regel pro Seite nur ein Musikstück aufgezeichnet ist. Bei
der Aufzeichnung werden aus physikalischen Gründen die Höhen
angehoben (Preemphasis) und die Tiefen abgeschwächt, bei der Wiedergabe
wird der Frequenzgang wieder entzerrt. Dazu gibt es eine genormte Kennlinie
der RIAA. Zum Entzerren verwendet man einen Entzerrervorverstärker
oder einen speziellen Tonabnehmer. Kristallabtastsysteme benötigen
keinen zusätzlichen Entzerrervorverstärker, da sie den Frequenzgang
in etwa durch ihre physikalischen Eigenschaften von sich aus entzerren.
Geschichte der Schallplatte
Vorgeschichte
Vorläufer der Schallplatte war der theoretisch zuerst von Charles
Cros beschriebene, 1877 von Thomas Alva Edison unabhängig von Cros
erneut erfundene und zum Patent angemeldete Phonograph. Die Töne
wurden dabei auf einer Wachswalze mit wendelförmiger Tonspur gespeichert,
wobei das Prinzip der Amplitudenauslenkung zunächst unmittelbar
akustisch ohne elektrische Umwandlung genutzt wurde.
Charles Sumner Tainter
Bereits im Jahre 1880 machte der US-amerikanische Physiker Charles
Sumner Tainter (Columbia Graphophone Company) die Entdeckung, dass viele
technische Nachteile der Edisonschen Walzen beseitigt werden könnten,
wenn man die Tonspur spiralförmig in die Oberfläche einer
flachen, runden Scheibe eingravieren würde. Tainter entwickelte
den Prototyp eines entsprechenden Aufnahmeapparats und stellte einige
bespielte Wachsplatten her, gab die Versuche aber infolge technischer
Probleme nach kurzer Zeit wieder auf. Tainters Wachsplatten befinden
sich heute im Smithsonian Institute in Washington; sie gelten als die
ersten Schallplatten der Welt.
Emil Berliner
Unabhängig von Tainter, der seine Ideen nicht publiziert hatte,
gelangte im Jahre 1887 der Erfinder und Industrielle Emil Berliner bei
seinen Versuchen mit dem Edison-Phonographen zu einem ähnlichen
Verbesserungskonzept. Er hatte sich mehrere Jahre lang mit dem Edison-Phonographen
befasst und früher als Edison erkannt, dass die Zukunft der Tonaufzeichnung
in erster Linie im Unterhaltungsbereich lag. Als Geschäftsmann
sah er in der fehlenden Vervielfältigungsmöglichkeit der Wachswalzen
den entscheidenden Schwachpunkt des Phonographen und verwendete seine
Zeit und Mühe vorrangig auf die Lösung dieses Problems.
1887 gelang ihm der entscheidende Durchbruch seines Erfinderdaseins:
er konstruierte ein Gerät, das die Schallwellen nicht wie bei Edisons
Phonographen in vertikale, sondern in horizontale Bewegungen einer Nadel
umsetzte; diese mechanischen Schwingungen ließ er in eine dick
mit Ruß überzogene Glasplatte einritzen. Nach chemischer
Härtung des Rußes war er in der Lage, auf galvanoplastischem
Wege ein Zink-Positiv und von diesem ein Negativ der Platte anzufertigen,
das als Stempel zur Pressung beliebig vieler Positive genutzt werden
konnte die Schallplatte war erfunden. Am 4. Mai 1887 wurde Berliner
für seine Idee das US-Patent No. 372,786 erteilt.
Der Öffentlichkeit wurde das neue Aufzeichnungsverfahren erstmals
in einem Bericht der Zeitschrift Electrical World vom 12. November 1887
vorgestellt; die frühesten zu Demonstrationszwecken angefertigten
Zinkplatten hatten einen Durchmesser von 28 cm und bei etwa 30 UpM eine
Spieldauer von vier Minuten. In den folgenden Monaten entwickelte Berliner
in Zusammenarbeit mit dem Techniker Werner Suess sein Verfahren weiter,
indem er das rußbeschichtete Glas durch eine mit Wachs überzogene
Zink- oder Kupferplatte ersetzte. Nach der Gravur der Schallrille in
die Wachsschicht wurde die Platte einem Säurebad ausgesetzt, das
die noch mit Wachs bedeckten Teile der Platte nicht angriff, die freigelegten
Rillen aber in das Metall einätzte, so dass nach Entfernung des
Wachses eine haltbare metallene Ur-Platte entstand, die zur Herstellung
der Pressmatrizen verwendet werden konnte.
Am 16. Mai 1888 präsentierte Berliner ein erstes funktionsfähiges
Gerät, das er der zeittypischen Vorliebe für Gräzismen
folgend Grammophon nannte, den Wissenschaftlern des Franklin
Institute in Philadelphia. Im August 1888 begann er erstmals, die eigentlich
von Anfang an vorgesehene Vervielfältigung seiner Zinkplatten durch
Pressen der Negative in weiches Material zu erproben. Zunächst
verwendete er als Pressmasse Zelluloid, das er unmittelbar vom Erfinder
dieses Werkstoffs, John W. Hyatt, bezog und das sich bald als technisch
ungeeignet erwies. Von den als Hyatt Disks bekannten ersten experimentellen
Zelluloidplatten sind nur sehr wenige Exemplare erhalten geblieben.
Im Juli 1889 kam Berliner aufgrund materialkundlicher Versuche zu dem
Schluss, dass vulkanisiertes Hartgummi als Pressmaterial die günstigsten
Eigenschaften aufweise, und erachtete seine Erfindung für ausgereift
genug, um den Beginn der Serienproduktion einzuleiten. Er ging auf Investorensuche,
stieß aber bei der US-amerikanischen Industrie auf wenig Resonanz.
Daher reiste er im August 1889 nach Deutschland, um das Grammophon potentiellen
Interessenten vorzuführen. Am 26. November 1889 demonstrierte er
das Gerät den staunenden Experten der Berliner Elektrotechnischen
Gesellschaft, die ihn sofort als Mitglied aufnahm.
Die älteste bis heute erhaltene Berliner-Schallplatte ist ein
am 25. Oktober 1887 von Berliner selbst angefertigtes Zink-Positiv.
Serienfertigung
Von diesem Erfolg ermutigt entschloss er sich Ende 1889, die Serienfertigung
der Platten zunächst auf eigene Rechnung in die Wege zu leiten.
Die renommierte Spielwarenfabrik Kämmer & Reinhardt in Waltershausen
(Thüringen), fertigte für ihn vermutlich ab Juli 1890
sehr einfache Grammophone mit Handkurbelantrieb und entwickelte
auch eine sprechende Puppe mit Miniatur-Grammophon im Rumpf. Die passenden
Platten wurden bei zwei deutschen Firmen in Auftrag gegeben: einer der
beiden Hersteller war die Rheinische Gummi- und Celluloidfabrik in Mannheim;
von der anderen ist nur das bislang nicht entschlüsselte Firmenkürzel
GFKC bekannt. Hergestellt wurden Platten mit 8 cm Durchmesser
für die Sprechpuppe und 12,5 cm Durchmesser für das Grammophon;
zumindest teilweise kamen dabei wohl in den USA entstandene Matrizen
zur Verwendung. Die Pressungen waren in Gummi-, Zelluloid- und Zink-Ausführung
erhältlich, wobei nicht bekannt ist, inwieweit Zelluloid und Gummi
zueinander in zeitlicher Abfolge standen; die Zinkplatten wurden offenbar
gegen Aufpreis verkauft.
Diese ersten Serienschallplatten der Welt waren von so minderwertiger
Klangqualität, dass Zettel mit dem vollständigen Text der
jeweiligen Aufnahme auf die Plattenrückseite geklebt wurden, damit
der Käufer den Inhalt der Platte nachvollziehen konnte. Insgesamt
wurden 188990 in Deutschland etwa 25.000 Platten gepresst, von
denen heute weltweit nur noch sehr wenige Exemplare bekannt sind. Die
einzige erhaltene Berliner-Sprechpuppe befindet sich im Puppenmuseum
der Stadt Waltershausen. Kurzzeitig wurden die deutschen Berliner-Produkte
auch nach England exportiert; das Geschäft mit dem unausgereiften
System erwies sich aber als wenig lukrativ, weshalb Berliner 1891 die
Fertigung einstellen ließ und in die USA zurückkehrte.
Am 23. April 1889 gründete er die American Gramophone Co., die
die Verwertung seiner Erfindung übernehmen sollte, aber nach kurzer
Zeit zusammenbrach. Die folgenden zwei Jahre verbrachte Berliner damit,
das Grammophon technisch zu verbessern; er ließ von einem New
Yorker Uhrmacher einen Federantrieb entwickeln, der sich allerdings
als nicht praxistauglich erwies, und engagierte einen Techniker namens
Edward L. Wilson, der für ihn ein Grammophon mit Münzmechanik
konstruierte.
Erst im April 1893 wagte Berliner zusammen mit den Brüdern Fred
und Will Geisberg, die zuvor schon bei der Columbia Graphophone Company
tätig gewesen waren, eine neue Firmengründung: es entstand
die United States Gramophone Company mit Sitz in Washington (1205 G
Street NW), die die Erfindung kommerziell verwerten sollte und an die
er seine Patente abtreten musste. Die Firma produzierte einige wenige
Grammophone und Schallplatten aus Vulcanite beziehungsweise Hartgummi,
geriet allerdings bald in finanzielle Schwierigkeiten.
1895 gelang es Berliner, eine Gruppe von Investoren aus Philadelphia
für seine Erfindung zu begeistern; es kam zur Gründung der
Berliner Gramophone Company, deren Anteile allerdings nur zum kleineren
Teil Berliner selbst gehörten; die United States Gramophone Co.
bestand allerdings parallel dazu als Inhaberin der Patente weiter. Das
neue Unternehmen eröffnete in Baltimore (109 North Charles Street)
eine Fabrik nebst show room und begann mit der Fertigung von Geräten
und Tonträgern.
Der Durchmesser der Platten wurde 1894 auf 10 Zoll (25,4 cm) festgelegt;
bis zum Herbst 1894 verließen etwa 1.000 Grammophone und 25.000
Platten die Fabrik. Berliner veröffentlichte die erste gedruckte
Bestellliste der verfügbaren Aufnahmen; das Unternehmen bot neben
den handbetriebenen Grammophonen auch zwei Luxusmodelle mit Elektromotoren
an. 1895 änderte man den Plattendurchmesser auf 17,5 cm; im gleichen
Jahr erhielt Berliner nach langen juristischen Auseinandersetzungen
jenes US-Patent für sein Horizontalschrift-Aufnahmeverfahren, dessen
Existenz später die jahrzehntelange monopolartige Position der
Firma Victor auf dem nordamerikanischen Plattenmarkt begründen
sollte.
Die Umsätze der Firma waren zunächst bescheiden, da die potentiellen
Kunden in Berliners primitivem, handkurbelbetriebenem Grammophon noch
immer eher ein Kinderspielzeug als ein ernstzunehmendes Unterhaltungsgerät
sahen. Angeregt durch entsprechende Entwicklungen auf dem Phonographen-Sektor
beschäftigte sich Berliner erneut mit dem Gedanken, seine Geräte
mit Federmotoren auszustatten. Er beauftragte den Mechaniker Eldridge
R. Johnson aus Camden City, mit der Entwicklung und Serienfertigung
eines passenden Federwerks, dessen Markteinführung 1896 erfolgte
und dem Produkt tatsächlich zu einer enormen Umsatzsteigerung verhalf.
Im Oktober 1896 gab Berliner die Verwendung von Hartgummi als Plattenmaterial
auf und ersetzte die Substanz durch eine von der Duranoid Co., Newark,
New Jersey, hergestellte Pressmasse, die im wesentlichen aus Schellack
bestand und deren Einführung Klangqualität und Haltbarkeit
der Platten enorm verbesserte die Schellackplatte war geboren.
Im gleichen Jahr engagierte Berliner den Werbefachmann Frank Seaman,
dessen Aufgabe es sein sollte, den Vertrieb der Berliner-Produkte zu
übernehmen. Seaman gründete unter dem Namen National Gramophone
Company ein eigenes Unternehmen und schloss mit der Berliner Gramophone
Company einen auf fünfzehn Jahre Laufzeit ausgelegten Vertrag,
der ihm die Exklusivrechte am Vertrieb aller Berliner-Erzeugnisse sicherte.
Seamans brillante Werbekampagnen machten das Grammophon binnen kürzester
Zeit weltweit bekannt und ließen die Verkaufszahlen der Platten
und Geräte förmlich explodieren im Geschäftsjahr
1898 konnte Berliner bereits 713.753 Schellackplatten absetzen. Berliners
Erfindung lag nun in den Händen dreier von einander unabhängiger
Firmen: die United States Gramophone Company hielt noch immer die Patente,
die Berliner Gramophone Company produzierte Platten und Abspielgeräte;
die National Gramophone Company kontrollierte die Vermarktung.
Berliner expandierte durch Gründung ausländischer Tochtergesellschaften,
als deren wichtigste im Jahre 1898 die britische Gramophone Company
entstand; diese gründete ihrerseits als Tochter-Tochterunternehmen
die Deutsche Grammophon-Gesellschaft mit Sitz in Hannover, geleitet
erneut von Berliners Bruder Joseph. Das zunächst sehr erfolgreiche
unternehmerische Konzept sollte sich für Berliner bald als fatal
erweisen, denn Seaman, der als wenig vertrauenswürdiger Charakter
galt, war angesichts der enormen Gewinne, die in Berliners Kassen flossen,
mit seinem langfristigen Vertrag unzufrieden. Er begann 1898 heimlich
mit der Herstellung seiner Zonophone, die technisch lediglich Plagiate
der Berliner-Geräte darstellten. Seaman bot Berliner an, er möge
künftig die Zonophone kaufen und unter seinem Namen vertreiben
lassen. Berliner lehnte dies empört ab, zumal er den Vertrag mit
Johnson nicht gefährden wollte und Seaman allgemein misstraute;
überdies waren die Zonophone von schlechterer Qualität als
die bisherigen Berliner-Erzeugnisse. Seaman wertete die Ablehnung Berliners
als Aufhebung seines Vertrags, benannte seine Firma in United Talking
Machine Company (UTMC) um und begann auf eigene Rechnung Platten und
Zonophone zu fertigen. Berliner verklagte Seaman wegen Vertragsbruchs;
Seaman nahm daraufhin vertrauliche Verhandlungen mit dem Walzenhersteller
Columbia auf, der die Patente an den Erfindungen von Chichester Bell
und Charles Sumner Tainter hielt. 1899 erhob Columbia auf Seamans Betreiben
Klage gegen Berliner mit der Begründung, die Berliner-Patente von
1887 seien unter Verletzung älterer Bell- und Tainter-Patente erteilt
worden und damit nichtig.
Die komplizierten juristischen Auseinandersetzungen, in die auch Eldridge
Johnson verwickelt war und in denen der von Columbia engagierte Star-Anwalt
Philipp Mauro eine entscheidende Rolle spielte, endeten für Seaman
erfolgreich, was dazu führte, dass Berliner ab dem 25. Juni 1900
die Verwendung des Namens Gramophone in den USA verboten war und er
auch sonst für sein amerikanisches Unternehmen keine Zukunft mehr
sah. Er löste seine Firmen auf, verkaufte alle seine US-amerikanischen
Patente an Eldridge Johnson, mit dem er sich wieder versöhnt hatte,
und übersiedelte nach Montreal. In den folgenden Jahrzehnten leitete
er sehr erfolgreich die kanadische Niederlassung seines Imperiums und
nahm auch maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung der aus seiner
britischen Filiale entstandenen Gramophone Company; nebenbei beschäftigte
er sich mit aeronautischen Problemen und war an der Entwicklung eines
der ersten brauchbaren Hubschrauber beteiligt.
Entstehung der Schallplattenindustrie
Der große kommerzielle Erfolg der Berliner-Schallplatte und der
relativ schlechte patentrechtliche Schutz der Erfindung ermunterten
ab etwa 1900 vor allem in Europa zahlreiche Unternehmer, die Produktion
eigener Schallplatten und Abspielgeräte aufzunehmen. Binnen weniger
Jahre entwickelte sich so ein äußerst innovativer, schnelllebiger
Industriezweig, als dessen Zentren London, Paris, Hannover, Berlin und
Wien galten. Preiswerte Grammophone einfacher Bauart kamen in vielfältigen
Formen auf den Markt und ließen die Schallplatte zu einem auch
für die Unterschicht erschwinglichen Unterhaltungsmedium werden.
Bis 1914 entstanden alleine in Deutschland etwa 500 konkurrierende Schallplattenmarken.
Technische Verbesserungen ließen die Klangqualität stetig
steigen; allmählich begannen sich auch große Musiker wie
Enrico Caruso, Nellie Melba und Hermann Jadlowker für das Medium
Schallplatte zu interessieren und verhalfen mit ihren Einspielungen
den Plattenkonzernen zu beträchtlichen Gewinnen. Besonders das
zunächst eigenständige, später vom Konzern des schwedischen
Schallplattenkönigs Carl Lindström übernommene
Label Odeon tat sich mit technischen Innovationen hervor und brachte
die ersten großformatigen Platten (25, 27 und 30cm Durchmesser)
sowie die ersten doppelseitigen Pressungen auf den Markt.
Entwicklung in den 1920er Jahren
Der Erste Weltkrieg ließ die Schallplattenproduktion weltweit
stark zurückgehen, was primär durch den vorübergehenden
Zusammenbruch des internationalen Handelsnetzes für Rohschellack
bedingt war. Nach Kriegsende erholte sich die Schallplattenindustrie
zunächst nur langsam; die Wirtschaftskrisen der 20er Jahre und
auch die Entstehung der ersten Rundfunksender beeinträchtigten
die Plattenabsätze weltweit erheblich. Ins Gegenteil verkehrte
sich diese Entwicklung allerdings, als ab 1925 mehrere US-amerikanische,
holländische und deutsche Firmen annähernd gleichzeitig elektrische
Aufnahmeverfahren präsentierten, die die alten akustisch-mechanischen
Aufnahmeapparate binnen kurzer Zeit völlig verdrängten, die
Kosten der Schallplattenaufnahme dramatisch reduzierten und die Klangqualität
enorm verbesserten. Die Einführung der elektrischen Aufnahme ließ
in Deutschland erneut eine große Zahl kurzlebiger kleiner Plattenfirmen
entstehen, die technisch und musikalisch oft sehr experimentierfreudig
waren. Das 1928 von dem Erfinderkollektiv Tri Ergon entwickelte Lichttonverfahren
erlaubte erstmals das Schneiden und Nachbearbeiten von Aufnahmen. Erste
elektrische Plattenspieler kamen auf den Markt; die Musikbegeisterung
der späten 20er Jahre garantierte den Schallplattenkonzernen ausgezeichnete
Umsätze.
Die 1930er Jahre
Das Jahr 1933 brachte für die deutsche Schallplattenindustrie
dramatische Veränderungen: Zahlreiche bis dahin in jüdischem
Besitz gewesene Unternehmen wurden in den ersten Jahren der NS-Diktatur
enteignet und aufgelöst; gegen viele prominente Plattenkünstler,
wie z.B. die Comedian Harmonists, ergingen aus rassischen
und politischen Gründen Berufsverbote; die Einfuhr ausländischer
Platten nach Deutschland war kaum mehr möglich. Bis 1939 reduzierte
sich die Zahl der auf dem deutschen Markt präsenten Schallplattenmarken
daher beträchtlich. Während des Zweiten Weltkriegs sollte
nach dem Willen des NS-Regimes die Schallplattenproduktion durch ein
groß angelegtes Altplatten-Verwertungssystem sichergestellt werden;
tatsächlich brach ab etwa 1943 die deutsche Schallplattenproduktion
trotzdem weitgehend zusammen. Nur für den Bedarf von Rundfunk und
Kinos wurde bis zum Kriegsende weiter produziert.
Nach dem 2. Weltkrieg
Nach 1945 nahmen die Schallplattenfabriken, soweit unzerstört
geblieben, ihre Arbeit recht bald wieder auf, wobei zunächst die
Schellack-Technik beibehalten wurde. Im Westen Deutschlands entstanden
viele neue Plattenmarken, die besonders den neu entstandenen Bedarf
nach US-amerikanisch geprägtem Swing und Jazz zu decken versuchten.
In der sowjetischen Besatzungszone wurde die Schallplattenfabrikation
dagegen als einer der ersten Industriezweige komplett verstaatlicht;
es verblieb als einziger Schallplattenhersteller der VEB Lied der Zeit,
später VEB Deutsche Schallplatten, mit den Einheitslabels
Amiga, Eterna, Litera, Nova, Aurora und Schola.
In der Bundesrepublik und den meisten anderen westlichen Ländern
wurde die Fertigung von Schellackplatten um das Jahr 1958 aufgegeben.
Die DDR vollzog diesen Schritt im Jahre 1960.
Technische Fortschritte nach der Schellack-Ära
Vinylschallplatten
Bereits in den Anfängen der Schallplattenherstellung hatte es
etwa in Großbritannien durch Nicole Records erfolglose
Versuche gegeben, das teure Naturprodukt Schellack durch preiswertere
synthetische Kunststoffe zu ersetzen. Der Durchbruch auf diesem Gebiet
gelang 1948 mit der Herstellung der ersten Schallplatten aus Polyvinylchlorid
(PVC) mit deutlich schmaleren Rillen als in der Schellack-Ära,
wodurch auch kleinere Abtastnadeln notwendig wurden. Hiermit wurde nochmals
eine deutliche Steigerung sowohl der Tonqualität als auch der Spieldauer
möglich.
Geschwindigkeiten und Formate
Zwei Elektronikhersteller brachten zunächst abweichende Formate
heraus: 1948 stellte Columbia Records die 12-Inch- (30 cm-) -Langspielplatte
mit 33 1/3 Umdrehungen pro Minute und kleinem Mittelloch vor. 1949 folgte
RCA Victor mit der 7-Inch- (18 cm-) -Schallplatte mit 45 Umdrehungen
pro Minute und großem Mittelloch. Um mit der LP vergleichbare
Spielzeiten zu erreichen, wurden für dieses Format automatische
Plattenwechsler angeboten. Gemeinsam war beiden die Verwendung von PVC
als Plattenmaterial und die Mikrorille. Die beiden Formate wurden zunächst
in Konkurrenz zueinander vermarktet. Plattenspieler beherrschten jeweils
nur eines der beiden Formate, so dass Konsumenten sich entscheiden mussten,
was zu Unsicherheit unter den Kunden führte. Es handelte sich um
ein klassisches Beispiel für einen Formatkrieg, auch bekannt als
Battle of the Speeds.
Erst seit etwa Mitte der 1950er Jahre wurden Plattenspieler üblich,
die alle drei Geschwindigkeiten (33, 45 und 78 UpM) beherrschten, und
mit Hilfe von Adaptern Platten beider Mittellochgrößen abspielen
konnten. Columbias 33-UpM-Platten wurden für Langspielplatten verwendet,
während sich die 45-UpM-Platten als Singles einen eigenen Markt
eröffneten. So wurden die ursprünglich als absichtlich inkompatibel
gestalteten Konkurrenz-Formate zu Varianten ein und desselben Formats,
als das sie heute noch wahrgenommen werden. Mischformate in vielen Varianten
sind seitdem dazugekommen. Die Entzerrung nach RIAA wurde ebenfalls
erst Mitte der 1950er Jahre standardisiert.
Nach diesen, hauptsächlich in den USA stattgefundenen Formatbereinigungen
war die Vinylplatte bereit, den Schallplatten-Weltmarkt zu erobern.
Schellackplatten wurden parallel dazu allmählich aus dem Angebot
genommen. 1958 gingen in Westdeutschland die Restbestände an Schellackplatten
zu Schleuderpreisen weg. In Westeuropa und Nordamerika waren sie ca.
1960 aus den Läden verschwunden. Bis Ende der 1960er Jahre wurden
sie aber in manchen Ländern noch produziert. Bekannt sind z.B.
Schellack-Pressungen von Beatles-Platten aus Indien aus dieser Zeit.
Stereo
Später wurde durch die Einführung der Stereo-Schallplatte
eine weitere Steigerung der Hörqualität erzielt. Die Stereodekodierung
erforderte ein spezielles Stereoabtastsystem: Statt bei der Wiedergabe
nur die reine Seitwärtsbewegung des Tonabnehmers auszuwerten wurde
Tiefen- und Seitwärtsbewegung zur Gewinnung des Tonsignals herangezogen.
Hier konkurrierten kurze Zeit das sogenannte +- und das
sogenannte ×-System miteinander. Das +-System
setzte weiterhin die Seitwärtsbewegung direkt in das Tonsignal
eines Kanals, die Tiefenbewegung in die des anderen Kanals um
die Tonabnehmerbewegungen für ein Tonsignal nur für den linken,
dann nur für den rechten Kanal beschrieben also ein +.
Das ×-System, das sich später durchsetzte, setzte
dagegen die Tonsignale beider Kanäle in um ±45° gegen
die Senkrechte geneigte Schwingungen um und war so vollkompatibel zur
Monoaufzeichnung.
Solche Mono- und Stereoschallplatten wurden Langspielplatten (LP) oder
Album genannt. Die Abtastnadeln waren jetzt keine Stahlnadeln mehr,
sondern geschliffene Saphire oder Diamanten. Darüber hinaus gab
es die kleinen Singles, die bei 45 Umdrehungen pro Minute (0,75 s-1)
abgespielt wurden (wodurch die Tonqualität etwas besser als bei
LPs ist) und nur ein Stück pro Seite enthielten, sowie die mit
gleicher Geschwindigkeit abgespielten, Maxi-Singles mit dem Durchmesser
einer Langspielplatte.
Daneben wurden frühe Langspielplatten auch mit 25 cm (10")
hergestellt, auch gab es die sogenannte EP (Extended Play), eine 7"-Single
mit zwei Stücken pro Seite. Über die Jahre gab es auch alle
möglichen Mischformen aus Plattendurchmessern und Abspielgeschwindigkeiten.
Die Vinylplatte seit den 1980er Jahren
Mit der Einführung der digitalen Compact Disc (CD), die sich in
der Fachsprache Audio-CD nennt, gingen ab 1983 die Verkäufe und
Produktionszahlen von Schallplatten immer rascher zurück. 1990
wurden doppelt so viele CDs verkauft wie LPs. Anfang der 1990er verkündeten
die wichtigsten Konzerne der Phonoindustrie gemeinsam den Tod der Schallplatte.
Fortan wurde nur noch auf die Audio-CD beziehungsweise später die
DVD-Audio und andere Weiterentwicklungen gesetzt.
Dabei hält eine noch relativ große Verbrauchergruppe der
Schallplatte nach wie vor die Treue. Hierbei spielen unter anderem nostalgische
Aspekte, aber auch individuelle ästhetische Vorteile der Schallplatte
gegenüber der CD eine Rolle. Zahlreiche Musikliebhaber bevorzugen
die Schallplatte wegen ihres lebendigeren und wärmeren
Klanges. Schallplattenliebhaber erklären diese Vorliebe häufig
mit vorgeblichen Unzulänglichkeiten digitaler Aufzeichnung, wie
etwa Quantisierungsfehlern. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass analoge
Tonaufzeichnung, insbesondere bei mechanischer Abtastung, einige subjektiv
als angenehm empfundene Klangverfälschungen mit sich bringen, die
von diesen Personen dem verzerrungsärmeren Klang der CD vorgezogen
werden. Dazu zählen insbesondere harmonische Verzerrungen, sanfteres
Clipping-Verhalten der Schallplatte bei übersteuerten Aufnahmen,
geringere Übersprech-Dämpfung analoger Tonaufzeichnung, unlinearer
Frequenzgang u.a.m.
Neben der klanglichen spielt auch die optische Ästhetik eine Rolle.
Im Vergleich mit dem kleineren CD-Booklet bringt die Plattenhülle
die Gestaltung der Hülle viel deutlicher zum Ausdruck.
Auch unter den DJs, besonders in den Bereichen House, Techno, Hip Hop,
Drum'n'Bass etc., ist die Schallplatte nach wie vor nicht nur aus ästhetischen
Gründe beliebt, sondern auch weil sie sich aufgrund ihrer Technik
zum Zusammenführens einzelner Tracks (Musikstücke) am besten
eignet. Die Schallplatte wird dabei auf einem speziellen Plattenspieler,
mit dem man die Abspielgeschwindigkeit stufenlos regeln kann, von Hand
abwechselnd in und gegen die Abspielrichtung bewegt (Scratchen) bzw.
in die anderen Tracks gemischt (Mixen).
Diese Vorliebe der DJs für die auch kurz Vinyl genannten
Schallplatten gegenüber CDs hat sogar zur Entwicklung von Systemen
geführt, mit denen MP3s und andere digitale Aufzeichnungen mit
normalen Plattenspielern gemixt werden können. Dazu werden spezielle
Schallplatten benutzt, auf denen statt des Tonsignals ein Timecode aufgezeichnet
wurde. Eine spezielle Hardware rechnet diesen Timecode in Signale um,
mit denen dann eine Software die Abspielgeschwindigkeit und -richtung
eines digitalen Musikstücks steuert.
Im Bereich des Metal, Punk und Independent spielt die Schallplatte
weiterhin eine bedeutende Rolle.
In den letzten Jahren ist die Zahl sowohl der verkauften als auch neu
veröffentlichten Langspielplatten und Singles, ausgehend von einer
niedrigen Bezugsgröße, stark gestiegen.
In Europa werden heute jährlich wieder rund 15.000.000 Schallplatten
gefertigt. Einige Unternehmen stellen neuerdings auf Kundenwunsch auch
individuell eingespielte Platten in Kleinstauflage her, wobei in der
Regel keine Plattenpressung erfolgt, sondern die Tonspur mittels eines
speziellen Schneidegeräts direkt in einen Vinylrohling graviert
wird.
Artikel Schallplatte. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand:
29. Januar 2007, 22:52 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Schallplatte&oldid=27106258
(Abgerufen: 8. Februar 2007, 11:11 UTC)
|