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Geschichte Niederösterreichs
Die Geschichte Niederösterreichs deckt sich, da Niederösterreich
das Kernland der heutigen Republik Österreich bildet, in vielen
Epochen mit der österreichischen Geschichte. Dieser Artikel zeigt
die regionsspezifischen Eigenheiten und die Entwicklung zum heutigen
Bundesland auf.
Erdgeschichtliche Zeiten
Das Gebiet des heutigen Niederösterreichs lag über Millionen
Jahre in und am Randmeer Paratethys, an der Bruchlinie zwischen Laurasia
und Gondwana, den Urkontinenten, die sich aus dem letzten Superkontinent
Pangäa gebildet hatten. Prägend für die Geologie Niederösterreichs
war die Alpidische Gebirgsbildung.
Vorgeschichte
Die ersten vorgeschichtlichen Menschenarten wie der Homo habilis, der
2,5 bis ca. 2,0 mya in Ostafrika lebte, verbreiteten sich nicht bis
nach Europa, erst vom Homo erectus an lassen sich erste Funde, die nicht
älter als 700.000 Jahre sind, in Europa nachweisen.
In der Epoche des Mittelpaläolithikums lebte auch in Niederösterreich
vor etwa 130.000 Jahren der Neandertaler, der bis spätestens vor
30.000 Jahren endgültig vom modernen Menschen (Homo sapiens) abgelöst
wurde. Dieser hatte sich vor 160.000 Jahren in Afrika entwickelt und
etwa vor 45.000 Jahren Europa erreicht. Neandertaler und Homo sapiens
lebten also etwa 15.000 Jahre lang parallel, vorwiegend entlang der
Flussläufe.
Die Gegend um die Donau war in der Vorgeschichte Lebensraum von Jägern
und Sammlern. Bei Krems wurde die älteste Grabstelle Österreichs,
die aus der Eiszeit stammt und ca. 27.000 Jahre alt ist, gefunden. Die
beiden Säuglingsskelette, bedeckt mit dem Schulterblatt eines Mammuts
und Grabbeigaben, waren im Lößboden gut erhalten geblieben.
In Stratzing bei Krems wurde die älteste Frauenstatue der Welt,
die Venus vom Galgenberg gefunden. Die 30.000 Jahre alte, 7,2 cm große
Schiefer-Skulptur stellt eine tanzende Frau dar. Einer der bedeutendsten
Funde aus der Steinzeit ist die kostbare Venus von Willendorf aus Willendorf
in der Wachau. Die 11 cm hohe Statue entstand vor 25.000 Jahren.
Im 6. Jahrtausend v. Chr. wurden die Menschen in Niederösterreich
sesshaft. Die Neolithische Revolution machte aus ihnen Ackerbauern und
die Bandkeramische Kultur entwickelte sich.
In vielen Gemeinden Niederösterreichs wurden jungsteinzeitliche
und bronzezeitliche Beile und Speerspitzen aus der Urnenfelderzeit und
der Hallstattzeit gefunden. So wurde im Weinviertel bei Schleinbach
bronzezeitliche Gräber aus dem Aunjetitzer Kulturkreis entdeckt,
deren Fundstücke im Museum für Urgeschichte in Asparn an der
Zaya verwahrt werden.
Die ältesten und genauesten Einblicke in die Lebensumstände
dieser Zeiten im Alpenraum bietet uns aber der sensationelle Fund des
Ötzi aus dem 4. Jahrtausend v. Chr. in Tirol.
Die Verwendung des Wagens als Transportmittel im 3. Jahrtausend v.
Chr. belegen Fundstücke der Badener Kultur. Zu dieser Zeit wurde
das relativ weiche Kupfer bereits zur Herstellung von Schmuckgegenständen
verwendet, für die Werkzeugproduktion ist es ungeeignet.
Frühgeschichte und Antike
In der Frühgeschichte und Antike im 2. Jahrhundert v. Chr. lebten
Kelten im niederösterreichischen Voralpenraum und errichteten mit
Noricum das erste und einzige keltische Staatsgebilde. Die keltischen
Völker mussten dem wachsenden Einfluss des Römischen Reichs
im Alpenraum nach und nach weichen und wurden schließlich nach
dem Pannonischen Aufstand um das Jahr 8 n. Chr. endgültig unterworfen.
Die Region des heutigen Niederösterreichs südlich der Donau
wurde in die römische Provinz Pannonia eingegliedert, im Lauf des
1. Jahrhunderts n. Chr. wuchs die Garnisonsstadt Carnuntum zur Hauptstadt
der Provinz heran. Bis heute sind die Ruinen eine Touristenattraktion.
Das Heidentor bei Carnuntum ist der einzige oberirdisch erhalten gebliebene
Bau aus der Römerzeit.
Der römische Einfluss ging mit der Völkerwanderung zurück
und verschwand im ausgehenden 6. Jahrhundert vollständig.
Mittelalter
Entstehung der Marcha Orientalis
Nach dem Zusammenbruch des Römischen Reichs hatten ab dem 6. Jahrhundert
das asiatische Volk der Awaren sowie die von den Awaren bedrängten
Slawen aus dem Osten bzw. Südosten kommend die ehemaligen römischen
Provinzen Pannonia und Noricum teilweise besiedelt. Etwa gleichzeitig
bildete sich ab Mitte des 6. Jahrhunderts mit den Agilolfingern die
erste bairische Stammesdynastie, die von ihrem Herrschaftssitz in Regensburg
aus ihr Hoheitsgebiet bis Mitte des 8. Jahrhunderts nach Osten bis zur
Enns und nach Süden bis ins heutige Südtirol erweiterten.
Der Frankenkönig Karl der Große verleibte im Jahr 788 das
bis dahin selbstständige Herzogtum Baiern in sein Reich ein. Östlich
davon errichtete er um 800 die sogenannte Awarenmark sowie südlich
davon die Mark Karantanien, die, als Lehen vergeben, zum Schutz seines
Reichs gegen die von Osten vordringenden Awaren dienen sollten. Nach
den Erbfolgekonflikten unter Karls Nachfolgern und dem daraus resultierenden
Vertrag von Verdun 843 gehörte das Herzogtum Baiern mit den beiden
Marken schließlich dem Ostfrankenreich an. Die auf dem Gebiet
der vormaligen Awarenmark eingerichtete Provinz Marcha Orientalis (Mark
im Osten) reichte beiderseits der Donau von der Enns im Westen
bis zur March und Leitha im Osten.
Die ostfränkischen Könige mussten sich im 10. Jahrhundert
gegen die aus Osten nach Mitteleuropa vordrängenden Magyaren wehren,
bis diese sich nach der Niederlage in der Schlacht auf dem Lechfeld
955 zurückzogen.
Ostarrîchi unter den Babenbergern
Zwanzig Jahre später, um 975, etablierte sich in der Marcha Orientalis
die Dynastie der Babenberger; es wird vermutet, dass der Begründer
dieser Dynastie, Liutpold, Graf des Donaugaues, von Kaiser Otto II.
als Belohnung für seine Treue während des bairischen Aufstandes
976 zum Graf der Marchia Orientalis ernannt wurde. Liutpold und seine
Nachfolger die Babenberger regierten bis 1246 dehnten
ihr Herrschaftsgebiet auf Kosten vor allem der Ungarn sukzessive aus.
Die Markgrafschaft wurde auch als Ostarrîchi (spätere Schreibweise:
Österreich) bezeichnet, was als volkssprachliche Übersetzung
für Marchia Orientalis gilt.
Besonders Markgraf Leopold III. (später heilig gesprochen, heute
Landespatron) erwarb sich durch seine Klostergründungen (vor allem
das Stift Klosterneuburg) große Verdienste um die Urbarmachung
des Landes. Die Gewinnung von Raum im Bereich des Wienerwaldes und östlich
davon drückte sich auch in der Verlegung der Residenz der Markgrafen
aus, die von Pöchlarn zuerst nach Melk, dann nach Klosterneuburg
verlegt wurde, ehe 1142 Heinrich II. Wien zur Hauptstadt der Markgrafschaft
erhob. 1156 wurde Ostarrîchi durch das Privilegium Minus zum Herzogtum
erhoben. Mit der Ausdehnung der Babenberger Herrschaft 1192 auf die
Steiermark begann auch für große Gebiete westlich der Enns
die Geschichte Österreichs.
Mit dem Tode des letzten Babenbergers, Herzog Friedrichs II. des Streitbaren
im Jahr 1246 kam es zum Erbfolgestreit zwischen seiner Schwester Margarete
und seiner Nichte Gertrud, die in Alland im Wienerwald residierte. Margarete
siegte letztlich durch ihre Heirat mit Ottokar Pr(emysls, der dadurch
die babenbergischen Länder mit Böhmen vereinigen konnte. Ottokar
setzte die Kolonisierung des Landes fort, unter anderem durch Neugründung
von Städten.
Niederösterreich wird habsburgisch
Im Jahr 1278, nach der Schlacht auf dem Marchfeld, kam das Gebiet unter
habsburgische Herrschaft und wurde zu deren Kernland. Da die Habsburger
in der Goldenen Bulle übergangen worden waren, versuchten sie auf
andere Weise eine den Kurfürsten ähnliche Stellung zu erlangen.
Herzog Rudolf IV. ließ mit dem Privilegium Maius eine Fälschung
anfertigen, in dem das Land zu einem Erzherzogtum erhöht wurde.
Anerkannt wurde dies aber erst am 6. Jänner 1453 von Kaiser Friedrich
III., der selbst Habsburger war.
Ansätze zu einer administrativen Teilung des Herzogtums Österreich
entlang der Enns finden sich bereits bei Ottokar Pr(emysl, doch erst
unter den Habsburgern etablierten sich eigene Stände für das
Land ob der Enns in Linz. Durch einen Erbvertrag wurde nach dem Tod
von Ladislaus Postumus im Jahr 1458 Friedrich III. Österreich unter
der Enns, das heutige Niederösterreich, zugesprochen, während
sein Bruder Albrecht VI. Österreich ob der Enns (Oberösterreich)
erhielt. Gleichwohl galten beide Territorien bis 1918 als zwei Teile
desselben Erzherzogtums.
Im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit war der niederösterreichische
Raum ständig von Unruhen betroffen, angefangen mit den Erbstreitigkeiten
der Habsburger um 1400, über die Hussitenkriege und die ständigen
Behauptungsversuche Friedrichs III., bis zu den Invasionen des Ungarnkönigs
Matthias Corvinus im 15. Jahrhundert. Viele dieser Kämpfe verselbständigten
sich und das Fehdewesen wurde allgemein als Landplage empfunden,
das die öffentliche Ordnung an den Rand der Auflösung brachte.
Erst Ferdinand I. konnte die Ordnung wiederherstellen, allerdings zu
einem hohen Preis: den Städten wurde jegliche Selbstverwaltung
genommen und Proteste wurden wie beim Wiener Neustädter Blutgericht
im Keim erstickt.
Neuzeit
Zu Beginn der Neuzeit, Niederösterreich befand sich weiterhin
unter der Herrschaft des Hauses Habsburg, waren zwei Ereignisse für
die weitere Entwicklung des Landes maßgebend: Die mit Beginn des
16. Jahrhunderts aufkommende Reformationsbewegung der Protestantismus
fand gerade in Niederösterreich besonders breite Resonanz
sowie die Bedrohung durch die Osmanen.
Die Gegenreformation setzte in dem protestantisch gewordenen Land erst
ab den 1570er Jahren ein, dann aber mit aller Vehemenz. Protagonisten
waren vor allem die Jesuiten, die Schulen und Universitäten übernahmen.
Eine wichtige Figur der Rekatholisierung ist auch Kardinal Melchior
Khlesl, der Sekretär des späteren Kaisers Matthias. Zur Wahrung
ihrer politischen und religiösen Freiheiten schlossen die protestantischen
Stände 1619 ein Bündnis mit den Ständen des Königreichs
Böhmen (Beitritt zur Confoederatio Bohemica), das gegen den habsburgischen
Landesherren Kaiser Ferdinand II. gerichtet war. Nur die katholische
Minderheit blieb dem Kaiser treu. Die militärische Niederlage der
Protestanten in der Schlacht am Weißen Berg machte auch in Niederösterreich
den Weg für die gewaltsam erzwungene Gegenreformation frei. Die
untertänige Bevölkerung musste in den zwanziger Jahren des
17. Jahrhunderts ausnahmslos wieder zum katholischen Glauben wechseln.
Verschont blieben nur wenige protestantische Adlige, die sich nicht
am Aufstand gegen den Kaiser beteiligt hatten. Die übrigen evangelischen
Herren und Ritter mussten, wenn sie nicht konvertierten, das Land verlassen.
Ihr Besitz wurde an katholische Parteigänger des Kaisers vergeben.
Der Klerus gewann durch die Gegenreformation wieder an Bedeutung, wichtige
Klöster waren das Stift Melk, Klosterneuburg und das Stift Göttweig.
Vom Dreißigjährigen Krieg war Niederösterreich in den
Jahren 1645/46 betroffen: Während des schwedisch-französischen
Kriegs, der von 1635 bis 1648 andauerte, drangen schwedische Truppen
durch das nördliche Niederösterreich bis nach Wien vor und
richteten dabei im Land verheerende Schäden an.
Nach der Schlacht bei Mohács 1526 und dem darauf folgenden Zusammenbruch
des ungarischen Königreiches wurde Niederösterreich zum Grenzgebiet
des Heiligen Römischen Reichs und blieb es bis 1683, als die Osmanen
nach der erfolglosen zweiten Belagerung Wiens zurückgedrängt
wurden. Da die Bevölkerung durch die mehr als 300.000 Mann umfassende
türkische Armee fast völlig ausgerottet war Wien hatte
zu dieser Zeit etwa 20.000 Einwohner , kam es zur Neubesiedlung
weiter Teile Niederösterreichs durch Köhler, Holzknechte und
Bauern aus der Steiermark, dem Salzkammergut, Oberösterreich, Tirol,
Bayern und Schwaben, z. B. in St. Corona, Klausen-Leopoldsdorf, Hochstrass
und Pressbaum.
In dieser Zeit wurden die Herrschaftssitze des Landadels im Barockstil
neu errichtet oder ausgebaut; so z.B. das Schloss Artstetten, das um
1710 stark erweitert wurde, oder Schloss Hof, das Prinz Eugen 1726 aufgekauft
und vergrößert hatte.
Auch nach dem Wegfall der Bedrohung durch die Osmanen blieb Niederösterreich
von Schlachten und Kriegen nicht verschont. Neben den Verheerungen durch
die Kuruzzen zu Beginn des 18. Jahrhunderts und den späteren Einfällen
der Preußen zuletzt 1866 waren vor allem die Napoleonischen
Kriege von 1805 und 1809 für Niederösterreich von Bedeutung.
Im Vor- und Umfeld der niederösterreichischen Schlacht von Aspern
und Schlacht bei Wagram kam es zu Plünderungen und Vergewaltigungen
der nach wie vor vorwiegend bäuerlichen Bevölkerung.
Im Zuge der Industriellen Revolution in der Gründerzeit ab etwa
1850 wurde das Eisenbahnnetz mit dem Zentrum in Wien errichtet. Die
Semmeringbahn erschloss das Bergbaugebiet in der östlichen Steiermark,
Ostbahn und Westbahn verband dieses mit den entstehenden Industrien
in Böhmen, Ober- und Niederösterreich und dem agrarwirtschaftlich
geprägten Ungarn. Das Land profitierte von der Nähe zur k.k.
Reichshaupt- und Residenzstadt Kaiser Franz Josephs I. und wurde dadurch
zum Kristallisationspunkt des geistigen und künstlerischen Potentials
Mitteleuropas. Das Fin de siècle prägte das Land architektonisch
und kulturell. Noch heute lebt diese Atmosphäre z. B durch die
Tragödie des Thronfolgers Kronprinz Rudolfs in Mayerling, die Jugendstilbauten
in Neuhaus oder die Biedermeierbauten in Baden fort.
Zeitgeschichte
Nach dem Fall der Monarchie 1918 wurde Niederösterreich zum größten
und bevölkerungsreichsten Bundesland der neuen Republik. Vielleicht
um diese Dominanz in der föderalen Struktur zu brechen, wurde am
1. Jänner 1922 beschlossen, Wien und Niederösterreich zu trennen.
Somit hatte Niederösterreich keine offizielle Hauptstadt mehr,
obwohl die Landesverwaltung weiterhin in Wien saß. Niederösterreich
war 1918 Grenzland geworden. Die neuentstandene Tschechoslowakei forderte
die Abtretung niederösterreichischen Gebietes und bekam diese im
Vertrag von Saint-Germain auch zugesprochen: Die Stadt Feldsberg musste
abgetreten werden, und eine Reihe von Ortschaften im nordwestlichen
Waldviertel ging verloren, weil der Bahnknotenpunkt bei Gmünd beansprucht
wurde. Die traditionellen wirtschaftlichen und verkehrstechnischen Verbindungen
nach Böhmen und Mähren wurden beeinträchtigt, was sich
negativ auf die fragile Nachkriegswirtschaft auswirkte. Auch der Verbleib
der deutschsprachigen Minderheit im Grenzgebiet wirkte sich negativ
auf die politische Stabilität und Zufriedenheit der Bevölkerung
aus.
Zweiter Weltkrieg, Tote am Schöpfl- Mahnmal an der Straße
St. Corona - Klausen-Leopoldsdorf
Zweiter Weltkrieg, Tote am Schöpfl- Mahnmal an der Straße
St. Corona - Klausen-Leopoldsdorf
In der Zeit des Nationalsozialismus 1938 bis 1945 musste jeder Bezug
zu Österreich verschwinden, das Land hieß Niederdonau. Wien
blieb zwar der Verwaltungssitz, Krems wurde aber zur Gauhauptstadt
erhoben. Von Mai 1938 bis zum Ende des Krieges war Hugo Jury Gauleiter
des Gaues Niederdonau. Durch die Bildung von Groß-Wien 1938 verlor
Niederösterreich die Wiener Umlandgemeinden, die die wirtschaftlich
stärksten Gebiete waren, an Wien. Diese wurden de facto erst 1954
wieder Niederösterreich eingegliedert. Im Waldviertel wurden viele
Menschen rund um Döllersheim ausgesiedelt und das Gebiet als Heeressperrbezirk
erklärt um den größten Truppenübungsplatz des Deutschen
Reiches zu errichten. Hier wurden Kampfverbände für den Osten
zusammengestellt und Sammellager für Beutegut angelegt. Entlang
der Thermenlinie wurde auf Grund strategisch günstiger Position
die kriegswichtige Schwerindustrie, wie der Flugzeugbau, angesiedelt.
In der Nähe dieser Betriebe davon wurden auch Lager für die
Zwangsarbeiter eingerichtet. In der Schlussphase des Zweiten Weltkriegs
war die Wiener Operation 1945 die letzte Schlacht des Krieges.
Der Zusammenbruch des Dritten Reiches 1945 war vor allem in Ostniederösterreich
mit schweren Heimsuchungen verbunden. Bombardierungen, Kampfhandlungen,
Zerstörungen, Plünderungen, Vergewaltigungen sowie vereinzelte
Verhaftungen und Entführungen politisch missliebiger Personen durch
sowjetische Kräfte prägten die ersten Nachkriegsjahre. Dies
sowie eine jahrelange sowjetische Besatzung und die Eingliederung vieler
Betriebe in die USIA-Gruppe komplizierten und verlangsamten den Wiederaufbau.
Niederösterreich geriet dadurch gegenüber den westlichen Bundesländern
ins Hintertreffen. Erst als die Sowjets 1955 nach Abschluss des Österreichischen
Staatsvertrags abzogen, war eine freie politische und ökonomische
Entwicklung möglich.
Dieser Aufholprozess führte erst um 1975 unter Landeshauptmann
Andreas Maurer zu einem annähernden Gleichziehen mit jenen Bundesländern,
die unter westalliierter Besatzung gestanden waren, und verursachte
eine grundlegende Veränderung der Wirtschafts- und Sozialstruktur
des Landes. Der Anteil der Landwirtschaft sank stark, während der
Dienstleistungs- und Industriesektor im Umland der Städte enorm
anwuchs.
Auch durch die dadurch entstandene Landflucht, hin zu den Ballungszentren
Wien und Linz, wurde das Fehlen einer eigenen Landeshauptstadt immer
mehr als Mangel empfunden. Der Landtag entschloss sich 1986 unter der
Führung von Landeshauptmann Siegfried Ludwig zur Durchführung
einer Volksbefragung, um die Hauptstadtfrage Niederösterreichs
zu lösen. St. Pölten wurde schließlich nach einer ausgedehnten
Werbekampagne und der positiv verlaufenen Volksbefragung zur Landeshauptstadt
erhoben. Renommierte Architekten, darunter Hans Hollein und Klaus Kada,
entwarfen ein neues Regierungsviertel, sowie das ein Museum und ein
Festspielhaus umfassende Kulturzentrum. Die niederösterreichischen
Behörden wurden Zug um Zug nach St. Pölten umgesiedelt, wo
schließlich auch ein neues ORF-Landesstudio von Gustav Peichl
geplant und errichtet wurde. Mit diesem Schritt blieb mehr Geld im Land,
und es wurde ebenso wie auch später durch den Fall des Eisernen
Vorhangs die Prosperität Niederösterreichs gefördert.
Standeswesen, Verwaltung
Mit der administrativen Trennung Oberösterreichs vom Kernland
Österreich hatte Ottokar II. Pr(emysl das spätere Bundesland
Niederösterreich Ende des 13. Jahrhunderts als Verwaltungseinheit
geschaffen.
Während aber die Babenberger bis 1246 und Ottokar bis 1278 ausschließlich
das Gerichtswesen an Hof- und Landtaidingen delegiert hatten, entwickelten
sich diese im Laufe des 14. Jahrhunderts zu ständischen Landtagen
die den Fürsten auch in militärischen und steuerlichen Belangen
berieten. Dieser Rat hatte Beschwerde- und Petitionsrecht und die Möglichkeit
zu Gesetzesinitiativen. Die Gesetze selbst wurden allerdings per Patent
vom Fürsten selbst erlassen.
Neben den landesfürstlichen Erbämtern Marschall, Kämmerer,
Truchsess und Mundschenk entstanden Verwaltungsbehörden der Landstände.
Die Mitglieder der Landtage der Landschaft des späten Mittelalters
und der Neuzeit waren einerseits adelige, grundbesitzende Herren und
Ritter und geistliche Würdenträger wie Pröbste und Äbte
im Prälatenstand. Auch der Vierte Stand war in der Ständeordnung
durch Bürgermeister, Klostervorsteher oder Stadtrichter vertreten.
Im Jahr 1513 kauften die niederösterreichischen Stände von
den Liechtensteinern ein Palais in der Herrengasse in Wien , das zum
Landhaus und Verwaltungszentrum umgestaltet wurde. Die Stände verloren
Mitte des 18. Jahrhunderts durch Maria Theresia und die Josephinischen
Reformen viele ihrer Kompetenzen, die sie nur zum Teil unter Leopold
II. (1790-92) wiedererlangten.
Nach den Napoleonischen Kriegen, dem Wiener Kongress 1814/15 und dem
metternichschen System im Biedermeier, brachte die Märzrevolution
von 1848 den Rücktritt von Kaiser Ferdinand I., das Ende der ständischen
Vertretung und die Rückkehr zu Zentralismus und Absolutismus- die
Restauration der Monarchie unter dem neuen, jungen Kaiser Franz Joseph
I. brach an.
Im Erzherzogtum Österreich unter der Enns trat am 6. April 1861
der erste gewählte Landtag von Niederösterreich zusammen.
Durch das Zensuswahlrecht, das an eine bestimmte Steuerleistung des
Wählers gebunden war, wählten kaum zehn Prozent der Einwohner
Niederösterreichs die 66 Mitglieder des Landtages. Grundlage von
Verfassung, Landesordnung und Landtagswahlordnung war das kaiserliche
Februarpatent des gleichen Jahres, das die alten Befugnisse der Landtage
zugunsten des Reichsrates stark beschnitt, und im Wesentlichen bis zum
Ende der k. u. k. Monarchie im Wertewandel des Ersten Weltkriegs galt.
Artikel Geschichte Niederösterreichs. In: Wikipedia, Die freie
Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 5. Februar 2007, 01:52 UTC. URL:
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(Abgerufen: 8. Februar 2007, 09:22 UTC)
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