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Reise
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Der Begriff Reise (v. althochdeutsch: risan aufstehen, sich erheben)
bedeutet im Sinne der Verkehrswirtschaft die Ortsveränderung einer
oder mehrerer Personen mit öffentlichen oder nicht öffentlichen
Verkehrsmitteln außerhalb des Wirtschaftsverkehrs; im fremdenverkehrswirtschaftlichen
Sinne die Bezeichnung für den Fremdenverkehrsvorgang als Summe
der beiden Phasen "Ortsveränderung" (Fahrt) und Aufenthalt.
Die verwendeten Verkehrsmittel bilden hierbei eine Gesamtheit: Die Reisekette
(Beispiel: Bus Flugzeug Straßenbahn Taxi).
Arten
Nach dem Zweck des Aufenthalts am Zielort können insbesondere
folgende Grundtypen unterschieden werden:
Urlaubsreise
Urlaubsreisen dienen primär der Erholung und Freizeitgestaltung.
Wenn Reisende selbst sie planen, sind es Individualreisen - standardisierte
Angebote von Reiseveranstaltern dagegen Pauschalreisen. Letztgenannter
Typ ist häufig, aber nicht zwingend eine Gruppenreise.
Je nach Neigung, Interessen und Bedürfnissen gibt es eine Vielfalt
von Reisearten. Primär Erholungszwecken dienen etwa Bade-, Wander-
und Ski-, aber auch Gesundheits-, Wellness- und kulinarische Reisen.
Aktiver sind Sport- und Abenteuer- und für Menschen mit vorwiegend
kulturellen Bedürfnissen die Studien- oder Bildungsreisen; spezielle
Ausprägungen sind etwa Sprach-, Städte-, Konzert- oder Opernreisen.
Eine Sonderform der Urlaubsreise stellt die Weltreise dar, bei der
man - grob gesehen - einmal die Erdkugel umrundet. Urlaubsreisen sind
beliebte Preise etwa bei Gewinnspielen, werden aber auch von Arbeitgebern
als Belohnungen für besonders erfolgreiche Mitarbeiter eingesetzt
(sog. Incentive-Reisen).
Als "Reiseweltmeister" gelten die Schweizer.
Reisen
Reisen
Berlin
Reisen Berlin
Geschäftsreise
Wirtschaftlichen Zwecken dient die Geschäftsreise. Neben dem Aufsuchen
von Kunden, Lieferanten, Geschäftspartnern etc. etwa zum Zwecke
von Besprechungen, Beratungen und Verhandlungen sind insbesondere die
Messe- und Fortbildungsreisen zu nennen. Sie werden überwiegend
individual von Einzelpersonen oder kleineren Gruppen durchgeführt.
Pilgerreise
Aus religiöser Motivation werden Pilgerreisen unternommen. Häufig
dienen sie dem Aufsuchen geheiligter Stätten wie etwa Rom, Jerusalem,
Lourdes oder Mekka, aber auch von Veranstaltungen wie etwa den Kirchentagen.
Mitunter werden Pilgerreisen als religiöse Pflicht vorgeschrieben
(die Hadsch im Islam), zumindest verheißen sie den Gläubigen
aber Seelenheil, spirituelles Wachstum, Vergebung von Sünden, Heilungen
von Gebrechen und ähnliches.
Missionsreise
Im Gegensatz dazu steht bei der Missionsreise nicht das Heil des Reisenden
selbst, sondern der Besuchten im Vordergrund. Sie dient
der Ausbreitung des Glaubens. Besonders aktiv waren und sind in diesem
Bereich die christlichen Kirchen sowie der Islam.
Forschungsreise
Wissenschaftliche Ziele verfolgen schließlich die Forschungsreisen
(auch: Expedition). Teils dienen sie der bloßen Konsultation in
fremden Städten befindlicher Bibliotheken und Archive, häufig
werden aber auch Ausgrabungen, Baudenkmäler, Gesteinsformationen,
fremde Tier- und Pflanzenarten und dergleichen untersucht. Das Urbild
des Forschungsreisenden stellt Alexander von Humboldt dar, der Anfang
des 19. Jahrhunderts Mittel- und Südamerika erkundet hat. Weitere
Beispiele sind der Polarreisende Giuseppe Acerbi sowie später der
Tibetforscher Heinrich Harrer.
Entdeckungsreise
Mit sogenannten Entdeckungsreise sind etwa Marco Polo, Christoph Kolumbus,
Vasco da Gama, Ferdinand Magellan und James Cook in bis dahin (den Europäern)
unbekannte Teile der Welt vorgestoßen. Heute ist dieser Reisetyp
weitgehend nur noch von historischer Bedeutung, was damit zusammenhängt,
dass die Erde heutzutage weitgehend als erkundet und vermessen gilt.
Ausnahmen mag es noch in unzugänglichen Gebieten etwa am Amazonas
oder im Himalaya geben.
Motivation
Während bei den meisten der genannten Reisearten die Motivation
klar zutage tritt, ist sie speziell bei den Urlaubsreisen in erheblichem
Maße diversifiziert. Insbesondere stellt sich die Frage, was Menschen
dazu treibt, zum Zwecke der Erholung und Freizeitgestaltung gerade auf
Reisen zu gehen.
Genannt werden als Motive insbesondere:
* Physische Motivation: Viele Menschen reisen, um sich zu erholen
und zu entspannen.
* Psychische Motivation: Zum anderen gibt es solche, die zur Entlastung,
Selbstfindung oder aus Abenteuerlust reisen.
* Interpersonelle Motivation: Gesellige Menschen gehen auf Reisen, um
Gruppenerfahrungen zu sammeln.
* Kulturelle Motivation: Außerdem gibt es auch eine Menge von
Menschen, die sich während ihres Reisens bilden und an dem Kennenlernen
fremder Kulturen interessiert sind (speziell: Studienreise).
* Status- oder Prestigemotivation: Ferner gibt es Reisende, die durch
ein bestimmtes Reiseverhalten ihr Ansehen oder ihre Anerkennung steigern
wollen. Schon 1873 übertrieb Theodor Fontane: "Zu den Eigentümlichkeiten
unserer Zeit gehört das Massenreisen. Sonst reisten bevorzugte
Individuen, jetzt reist jeder und jede."
Gerhard Schulze stellt einen Zusammenhang der Reisemotivationen mit
den einzelnen soziologischen Milieus her:
* Dem vom sog. Hochkulturschema geprägten Niveaumilieus gehören
vorwiegend ältere Menschen der gehobenen Bildungsschichten an.
Sie streben auf Reisen primär nach Bildung und persönlicher
Entwicklung, weniger nach Amusement. Dementsprechend entscheiden sie
sich vorwiegend für Bildungs- und Studienreisen und besuchen etwa
Kirchen und Museen, aber auch pittoreske Landschaften und
Städte. Abgelehnt werden etwa Touristenmassen, Lärm und Unterhaltungsbetrieb.
* Die jüngere Generation derselben Bildungsschicht neigt verstärkt
dem ebenfalls am Hochkulturschema teilhabenden - Selbstverwirklichungsmilieu
zu. Man schätzt vor allem untouristische und unverdorbene
Orte abseits ausgetretener Pfade. Als klassische Reiseziele
dieser Gruppe gelten etwa abgelegene Dörfer in Burgund oder der
Toskana, aber auch exotische Gegenden wie der Himalaya.
* Durch eine Kombination von Hochkultur- und Trivialschema ist das
vorwiegend von Angehörigen der mittleren Bildungsschicht formierte
und in besonderem Maße zu Konformität neigende sog. Integrationsmilieu
gekennzeichnet. Geschätzt werden erprobte und bekannte, durch eine
gut ausgebaute Infrastruktur erschlossene Orte wie etwa die Sonnenküsten
rund um das Mittelmeer, aber auch die österreichischen Berge und
Seen. Gleichwohl werden in geringerem Maße auch Elemente der klassischen
Bildungskanons wie etwa die Studienreise nach Paris integriert.
* Jüngere Menschen aller gesellschaftlichen Schichten versammeln
sich schließlich im Aktionsmilieu, das vom Spannungsschema geprägt
ist. In ihrem Reiseverhalten streben sie vor allen Dingen nach Dynamik,
Abwechslung und körperlicher Bewegung. Geschätzt werden Orte,
wo etwas los ist, etwa die Diskotheken der Badeorte, actionträchtige
Metropolen wie Berlin oder London, aber auch Abenteuer- und Sportreisen.
Auf der Jagd nach immer neuen Reizen werden gerne große Strecken
zurückgelegt, insbesondere etwa auch durch Trampen oder Interrail.
* Im auf dem Trivialschema fußenden Harmoniemilieu schließlich
finden sich vorwiegend ältere Menschen der einfacheren Bildungsschichten.
Soweit überhaupt verreist wird, sucht man vorwiegend Ruhe, Erholung
und Geborgenheit, insbesondere an bereits bekannten und vertrauten Orten
im eigenen Land bzw. Sprachgebiet wie etwa dem Schwarzwald oder Südtirol.
Das Freizeitprogramm besteht etwa aus Spaziergängen und Wanderungen,
aus Badeaufenthalten und Heimatabenden.
Dauer
Nach der Reisedauer unterscheidet man heute wissenschaftlich folgende
Reisearten:
* Tagesausflüge (höchstens 24 Stunden ohne Übernachtung)
* Kurzreisen (Reise von zwei bis vier Tagen Dauer)
* Urlaubsreisen (alle Reisen mit mehr als vier Tagen Dauer)
* Langzeitreisen (alle Reisen mit mehr als drei Monaten Dauer)
Ablauf
Buchungsphase
Ursprünglich wurden die einzelnen Bestandteile wie Fahrt, Unterkunft
etc. vom Reisenden unmittelbar bei den jeweiligen Leistungserbringern
(Verkehrsunternehmen, Beherbergungsbetriebe) gebucht. Seit dem Ende
des 19. Jahrhunderts erfolgte die Buchung indes zunehmend, insbesondere
bei Pauschalreisen, über Vermittlung eines Reisebüros. Seit
dem Aufkommen des Internets ist insofern eine gewisse Umkehrung des
Trends zu beobachten, als nun wieder verstärkt der Kunde selbst
die Leistungen auf den Website der Anbieter auswählt und online
bucht. Mit Hilfe von Reisesuchmaschinen können Angebote durchsucht
werden. Google tut sich mit einer eigenen Reisesuchmaschine ("Troogle")
noch schwer, auf der amerikanischen Seite des Suchmaschinenbetreibers
gibt es allerdings bereits erste Ansätze für eine solche Funktion.
Verkehrsmittel
Klassische Reiseverkehrsmittel sind das Kraftfahrzeug (auch in Form
des Trampens), der Omnibus und die Eisenbahn, in geringerem Umfang auch
Fähren. Für längere Strecken, insbesondere die An- und
Abreise zum Zielgebiet, kommt noch das Flugzeug hinzu. Eine Kombination
stellt die Mitnahme des eigenen Autos etwa in Autoreisezügen oder
Fähren dar.
Davon unterscheiden sind jene Verkehrsmittel, die nicht allein oder
primär der Fortbewegung zum oder am Zielort dienen, sondern deren
Benutzung infolge eines eigenen Erlebniswertes Selbstzweck ist. Zu nennen
sind etwa Fahrrad- und Motorradreisen, aber auch die meisten Arten von
Schiffsreisen (Kreuzfahrt, Flusskreuzfahrt, Frachtschiffreise, Segeltörn,
Floßfahrt etc.) sowie Pferde-, Esel-, Kamel- oder Elefantenritte.
Die Grenze zwischen Verkehrsmittel und Unterkunft schließlich
verwischen Wohnwagen, Hausboot, Rotels und Dachzeltbusse.
Unterkunft
Der Aufenthalt am Zielort erfolgt klassischerweise in Hotels oder Pensionen,
bei jüngeren Reisenden auch in Jugendherbergen. Daneben haben sich
Sonderformen wie das Camping oder das Reisen mit dem Wohnmobil etabliert.
Artikel Reise. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie.
Bearbeitungsstand: 3. Mai 2007, 15:08 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Reise&oldid=31311685
(Abgerufen: 7. Mai 2007, 07:53 UTC)
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